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Warum Ratings, Testberichte und Testsiegel mit Vorsicht zu genießen sind

Viele Verbraucher vertrauen auf Ratings, Testberichte oder Testsiegel, wenn sie Versicherungen vergleichen. Auf den ersten Blick wirken diese Bewertungen neutral, objektiv und wissenschaftlich. Doch in der Praxis steckt der Teufel im Detail: Die Auswahl der Fragen, die Gewichtung der Kriterien und die fehlende Transparenz können dazu führen, dass Ratings in die Irre leiten.

1. Wie werthaltig sind Testfragen?

Die erste Frage lautet: Welche Situationen treten in der Praxis tatsächlich häufig auf?
Ein Rating müsste berücksichtigen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Fall überhaupt eintritt.

  • Beispiel: Ein Ausschluss des Versicherungsschutzes bei Aufenthalten über sechs Monate in den USA betrifft vermutlich weniger als 1 % der Versicherten. Sollte eine solche Klausel dann in der Bewertung das gleiche Gewicht haben wie eine Kernfrage zur Leistungspflicht bei Berufsunfähigkeit?

Das zeigt: Ohne klare Wahrscheinlichkeitsbetrachtung bleibt die Aussagekraft fraglich.

2. Offene oder geschlossene Fragen – und ihre Tücken

Die Art der Fragestellung entscheidet über die Aussagekraft.

  • Geschlossene Fragen lassen meist nur ein „Ja“ oder „Nein“ zu.
  • Offene Fragen wirken auf den ersten Blick aussagekräftiger, können aber inhaltlich sehr unterschiedliche Antworten zulassen.

Beispiel Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): „Verzichtet der Versicherer auf die Umorganisation?“

  • Antwort A: nur bis 5 Mitarbeiter
  • Antwort B: bis 10 Mitarbeiter
  • Antwort C: ohne Begrenzung

Alle Antworten könnten als „positiv“ bewertet werden – obwohl sie für den Kunden gravierend unterschiedliche Folgen haben.

Hinzu kommt: Ein Thema wie „Umorganisation“ lässt sich nicht mit einer einzigen Frage abdecken. In der Praxis sind über zehn Detailfragen nötig (z. B. Wer zählt als Mitarbeiter? Brutto- oder Nettoeinkommen? Zumutbare Lebensstellung für Selbstständige?). Einzelne Testfragen greifen hier viel zu kurz.

3. Wer erstellt die Ratings – und mit welcher Qualifikation?

Ein weiterer kritischer Punkt: Transparenz über die Tester.

  • Bei großen Institutionen wie Stiftung Warentest oder Ökotest ist meist nicht ersichtlich, wer die konkreten Fragen erstellt hat, welche fachliche Ausbildung diese Personen besitzen und ob ein Beirat existiert, der womöglich durch die Versicherungswirtschaft dominiert wird.

Die Rechtsprechung stellt klare Anforderungen:

4. Methodik: Fragebogen statt Bedingungsanalyse?

In der Praxis basieren viele Ratings auf einem Fragenkatalog, der an Versicherer geschickt wird. Die Antworten kommen also direkt von den Unternehmen. Häufig werden die Bedingungen nicht einmal im Detail gelesen. Das widerspricht dem Anspruch unabhängiger Tests.

5. Prämien und Gesundheitsfragen – wirklich ein Qualitätskriterium?

Besonders fragwürdig ist die Gewichtung von Prämien und Gesundheitsfragen in Gesamtnoten:

  • Prämien sind kein Indikator für Qualität. Ein billiger Vertrag kann schwache Bedingungen haben, ein teurer Vertrag sehr starke.
  • Gesundheitsfragen sind vom Standpunkt des Versicherers wichtig, sagen aber nichts über die Qualität der Bedingungen aus.

Beispiel: Stiftung Warentest berücksichtigt Gesundheitsfragen mit 20 % in BU-Tests. Dadurch können Tarife mit schwächeren Bedingungen dennoch eine Gesamtnote „Sehr gut“ erhalten – und Kunden in die Irre führen. Besonders kerngesunde Kunden laufen Gefahr, einen unpassenden Tarif zu wählen.

Fazit

  • Ratings können eine erste Orientierung sein, sind aber kein Ersatz für eine fundierte Beratung.
  • Die Gewichtung von Kriterien ist oft willkürlich und nicht nachvollziehbar.
  • Der BGH verlangt Transparenz – die in der Praxis häufig fehlt.
  • Verbraucher sollten Tests kritisch hinterfragen und nicht allein auf ein Siegel vertrauen.

Praxistipp für Verbraucher:
Nutzen Sie Ratings nur als groben Überblick. Vor Vertragsabschluss sollten Sie die tatsächlichen Versicherungsbedingungen prüfen lassen – am besten durch einen unabhängigen Makler, der auf Versicherungsrecht und Leistungsbedingungen spezialisiert ist.


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